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Freckenhorst 2012

 

Ein Bericht von Marc 

 

Vom 8. bis 10. Juni, an einem der wenigen sonnigen Wochenenden im Frühling 2012, war es wieder soweit: In der wunderschönen weitläufigen Anlage der Landvolkshochschule Freckenhorst im Münsterland fanden sich 19 Familien - 36 Erwachsene und 29 Kinder - ein zu einem Familienwochenende mit dem Informationsschwerpunkt „Uveitis im Kindes- und Jugendalter".

 

Nach einer Vorstellungsrunde am späten Freitagnachmittag gab es schon beim gemeinsamen Abendessen erste Gelegenheit zum informellen Austausch, der später bei dem einen oder anderen leckeren Bier wahlweise in den gemütlichen „Schorlemmer Stuben“ oder auf der Terrasse in der kühlen Abendluft intensiviert wurde. Die jüngeren Kinder wurden währenddessen in der „Wichtelhöhle“ von Geli und Thomas fachmännisch mit Basteln und Gesang unterhalten wurden, die Jugendlichen bekamen in einem PC-Kurs Tipps und Tricks bei der Computernutzung gezeigt.

 

Am Samstag ging es dann nach einem ebenso zeitigen wie leckeren Frühstück los mit dem eigentlichen Programm: Die Kinder brachen mit Begleitern auf in den Allwetterzoo von Münster, wo sie eine Sonderführung für Sehbehinderte in Begleitung des Zoo-Tierarztes bekamen – Pinguin streicheln und Elefanten-fütterung inklusive. Die Jugendlichen hatten währenddessen Gelegenheit, unter Anleitung durch Kunsttherapeutin Monika Wigger und ihrem Team aus zuvor in der Natur gesammelten Materialen, Draht und Brillengläsern ein ebenso beeindruckendes wie symbolhaftes Objekt zu erschaffen. Die begeisterten Erzählungen des Nachwuchses am Abend zeigten, dass alle den Tag sehr genossen hatten.

 

Wir Eltern fuhren mit dem Bus gemeinsam ins Uveitis-Zentrum im Franziskus-Hospital Münster, wo wir dank Prof. Heiligenhaus und seiner Belegschaft an diesem Samstagvormittag Gelegenheit hatten, einmal am eigenen Leib einige der Untersuchungen zu erfahren, die unsere Kinder sonst mitmachen müssen. Weitere Untersuchungsmethoden wurden sehr an den jeweiligen Geräten sehr anschaulich erklärt. All dies war dank der sehr ausführlichen Erläuterungen höchst informativ. Dank der tollen Organisation des Praxisteams (an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön dafür!) war an diesem Morgen Zeit für viele Hintergrundinformationen und Rückfragen, die im Alltag der Routinetermine in der Regel der Zeitknappheit geopfert werden müssen.

 

Die ebenso detaillierten wie verständlichen Erläuterungen von Herrn Prof. Heiligenhaus zum Aufbau des Auges, seinen Mechanismen und deren Beeinträchtigungen durch die Uveitis waren sicherlich für viele ein Höhepunkt. Dieser fand nach einem leckeren Eintopf im Marienhaus der Klinik seine Fortsetzung, als Prof. Heiligenhaus in der Praxis einen Überblick gab über neuste Forschungsergebnisse und Therapiemöglichkeiten der Uveitis und diese ausführlich kommentierte, bevor er die Fragen der Eltern beantwortete.

 

Anschließend ging es weiter zur „Irisschule“, der Förderschule Sehen des LWL, wo wir ausführliche Informationen über die Unterstützungsmöglichkeiten für sehbehinderte Kinder sowohl an Förderschulen wie auch im integrativen Unterricht bekamen. Auch anspruchsvolle Hilfsmittel wie Tafelkamera und Bildschirmlesegerät konnten hier ausprobiert werden.

 

Zurück in Freckenhorst gab es am späteren Nachmittag ein stürmisches Wiedersehen mit dem Nachwuchs, der aufgeregt von den Erlebnissen des Tages berichtete. Nach einer tollen Familienolympiade und dem gemeinsamen Abendessen gab es dann noch jede Menge Grund zur Aufregung – Rudelgucken war angesagt, als die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr Auftaktspiel der EM gegen Portugal gewann. Auch dieser schöne Tag klang entspannt aus mit vielen interessanten Gesprächen.

 

Am Sonntag schließlich gab es positive Lebenseinstellung pur: Dr. med. Peter Rottmann, der, nach langer Augenkrankheit als junger Erwachsener vollständig erblindet, in Münster seine eigene Praxis als Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie führt. Dr. Rottmann führte in großer Offenheit und mit dem berühmten münsterländischen Humor aus, wie er seine Augenkrankheit und spätere Erblindung empfand und seither seinen Alltag meistert – aber auch, wie er mit den kleinen und großen Diskriminierungen im Alltag umgeht. Für viele Eltern war es sehr anrührend, diese Krankengeschichte rückblickend aus seiner Sicht als Kind zu hören. Seine sehr plastischen Schilderungen, die uns allen viel Mut machten, wurden mit ausgiebigem Applaus gewürdigt.

 

Nach der krankheitsbedingten Absage von Lothar Weisel hatte das Orga-Team kurzfristig Musiktherapeuten Wolfgang Köster und Kunsttherapeutin Monika Wigger gewinnen können. Zum Abschluss gab es einen sehr interessanten Einblick in das Wirken und die Erfolge der Musik- und Kunsttherapie – beides bietet Kindern die Möglichkeit, ihre Blockaden auf non-verbale Weise aufzulösen.

 

Nach der Präsentation der von den Jugendlichen geschaffenen Kunstobjekte war schließlich am Nachmittag der Moment des Abschieds gekommen – bis zum nächsten Mal in Freckenhorst, im Frühjahr 2014. Wir sind sicherlich wieder dabei!